Migräne & Männer
Migräne-Diagnose bei Männern: Warum sie so oft fehlt
Migräne gilt als Frauenkrankheit – doch auch ein beträchtlicher Teil der Männer ist betroffen. Warum ihre Diagnose so häufig ausbleibt.
Beim Scrollen durch Medizin- und Selbsthilfe-Websites könnte man den Eindruck bekommen, dass Migräne nur Frauen betrifft. Zu sehen sind häufig weibliche Personen, die sich schmerzverzerrt an die Schläfe fassen. Dahingegen fehlt von den Männern jede Spur.
Migräne gilt als «Frauenkrankheit» – laut Statistik leiden Frauen zwei- bis dreimal häufiger daran als Männer. Doch stimmt dieses Bild wirklich, oder gibt es noch weitere Aspekte?
In der Schweiz leben über 1 Million Menschen mit Migräne. Frauen sind dabei etwa zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Männer.
Wenn Migräne-Symptome nicht als solche erkannt werden
Ein wichtiger Grund dafür liegt in der Wahrnehmung. Migräne wird in der Gesellschaft noch immer oft mit starken Kopfschmerzen gleichgesetzt. Doch sie ist eine komplexe neurologische Erkrankung und kann sogar ohne Kopfschmerzen auftreten.
Neben dem Schmerz können auch Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Sehstörungen oder Erschöpfung und weitere neurologische Symptome auftreten. Gerade diese Kombination wird häufig nicht als Migräne erkannt. Stattdessen werden die Beschwerden als Stress, Verspannung oder Überlastung abgetan.
Viele männliche Betroffene greifen zu Schmerzmitteln und hinterfragen ihre Symptome nicht weiter.
Warum erhalten Männer seltener eine Migräne-Diagnose?
Neben der fehlenden Einordnung der Symptome spielen auch gesellschaftliche Faktoren eine grosse Rolle. Viele Männer haben gelernt, Schmerzen auszuhalten und nicht darüber zu sprechen. «Still leiden, statt Unterstützung holen» ist oft die Devise.
Auch Studien zeigen, dass Männer generell seltener medizinische Hilfe in Anspruch nehmen. Übertragen auf Migräne bedeutet das: Weniger Arztbesuche, weniger Abklärungen und damit auch weniger Diagnosen; in der Folge eine geringere Lebensqualität, als bei guter Behandlung möglich wäre.
Leben ohne Diagnose: Die unsichtbare Belastung
Wenn Migräne nicht erkannt wird, fehlt die richtige Unterstützung. Viele Männer wissen nicht, was ihre Beschwerden auslöst oder wie sie damit umgehen können.
Das kann den Alltag stark beeinflussen. Arbeitstage werden zur Herausforderung, soziale Aktivitäten abgesagt oder durchgestanden, und die eigene Belastungsgrenze wird immer wieder überschritten. Gleichzeitig bleibt oft das Gefühl, dass man «sich nicht so anstellen sollte».
Doch Migräne ist kein Zeichen von Schwäche oder Unmännlichkeit.
Was eine Migräne-Diagnose verändern kann
Eine Diagnose kann vieles verändern.
- Sie hilft, die eigenen Symptome einzuordnen und gezielt zu behandeln.
- Vor allem aber schafft sie Klarheit und nimmt Druck.
- Ausserdem erleichtert eine Diagnose auch die Kommunikation im Umfeld oder auf der Arbeit.
Gerade für Männer ist es wichtig, das Thema sichtbar zu machen. Migräne betrifft viele, auch wenn noch nicht alle darüber sprechen.
Du bist nicht allein
Wenn du dich hier wiedererkennst: Nimm deine Beschwerden ernst. Sprich darüber – mit Fachpersonen, Freunden oder deiner Familie. Migräne ist behandelbar.
